Die Deutschordensgemeinde Kirchhausen – kurz fixiert
1. Einleitung
Der heutige Heilbronner Stadtteil Kirchhausen blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Besonders prägend war über mehrere Jahrhunderte hinweg der Einfluss des Deutscher Orden, der nicht nur die politische und wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch das religiöse Leben des Ortes bestimmte. Noch heute zeugen zahlreiche Bauwerke und Denkmäler von dieser Zeit und prägen das Ortsbild.
2. Frühe Geschichte des Ortes
Die Geschichte Kirchhausens reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Eine mögliche erste
Erwähnung stammt aus dem Jahr 843 im sogenannten Lorscher Codex, wobei die Identität des
dort genannten Ortes nicht eindeutig ist. Sicher belegt ist Kirchhausen jedoch seit dem Jahr 926,
als es in Zusammenhang mit den Verwüstungen durch die Ungarneinfälle genannt wird.
Seelsorgeeinheit Über dem Salzgrund
Im Laufe des Mittelalters wechselte der Besitz mehrfach zwischen verschiedenen
Adelsgeschlechtern, darunter die Grafen von Calw und verschiedene lokale Ritterfamilien.
Schließlich gelangte der Ort im 15. Jahrhundert schrittweise in den Besitz des Deutschen Ordens.
1486 wurde Kirchhausen endgültig rechtlich Eigentum des Ordens.
Seelsorgeeinheit Über dem Salzgrund
Damit begann eine mehrere Jahrhunderte dauernde Phase als Deutschordensgemeinde, die das Dorf nachhaltig prägte.
3. Kirchhausen als Deutschordensgemeinde
Der Deutsche Orden nutzte Kirchhausen als Verwaltungssitz innerhalb der sogenannten Kommende Horneck. Der Ort entwickelte sich zu einem regionalen Verwaltungszentrum, in dem ein Amtmann die Geschicke leitete. Wikipedia
Die Zugehörigkeit zum Orden hatte mehrere Auswirkungen:
Kirchhausen blieb katholisch geprägt, auch während der Reformation
Verwaltung und Wirtschaft wurden zentral organisiert
der Bau repräsentativer Gebäude wurde gefördert
Erst mit der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts endete die Herrschaft des Deutschen
Ordens. 1805 fiel Kirchhausen an Württemberg.
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4. Das Deutschordensschloss
Das bedeutendste Bauwerk des Ortes ist das Deutschordensschloss Kirchhausen.
Bau und Funktion
Das Schloss wurde zwischen 1572 und 1578 im Stil der Renaissance als Wasserschloss errichtet.
Bauherr war der Deutsche Orden unter Hochmeister Heinrich von Bobenhausen.
Wikipedia
Die Anlage war ursprünglich von einem Wassergraben umgeben und nur über eine Zugbrücke
zugänglich. Diese Bauweise verdeutlicht sowohl den repräsentativen als auch den wehrhaften
Charakter des Gebäudes. Bei der Architektur ist besonders auffällig, die zweiflügelige Bauweise
(für den Deutschen Orden ungewöhnlich) und die vier Rundtürme, reich verzierte Renaissance-
Giebel. Die Nutzung unterlag dem Wandel der Zeit.
Nach dem Ende des Ordens wurde das Schloss vielseitig genutzt:
Verwaltungssitz
Schule, Bank, Kirche und Rathaus und heute Bürgeramt Heilbronn-Kirchhausen mit Standesamt
und Veranstaltungsort in Heilbronn.
Das Schloss ist bis heute das historische und kulturelle Zentrum Kirchhausens.
5. Das Amtmannhaus
Ein weiteres wichtiges Gebäude ist das Amtmannshaus Kirchhausen. Es wurde 1628 für den Amtmann Hans Hofmann errichtet, der als Vertreter des Deutschen Ordens im Ort tätig war.
Das Gebäude war Teil eines größeren Hofkomplexes und diente als Wohn- und Verwaltungssitz. Heute ist es ein bedeutendes Kulturdenkmal und ein seltenes Beispiel für einen fränkischen Hof aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.
6. Die Zehntscheune
Die Zehntscheune Kirchhausen verdeutlicht die wirtschaftlichen Strukturen der damaligen Zeit. In der Zehntscheune wurden die Naturalabgaben („Zehnt“) der Bauern gelagert, die an den Grundherrn – hier den Deutschen Orden – abzuführen waren.
Erste Erwähnung einer Scheune war im Jahr 1555. Ein Neubau bzw. Erneuerung um 1790. Heute dient das Gebäude kulturellen und öffentlichen Veranstaltungen.
7. Die St.-Alban-Kirche
Die katholische St. Alban Kirche Kirchhausen ist ein weiteres bedeutendes Zeugnis der Ortsgeschichte. Ursprung in einer mittelalterlichen Kapelle (15. Jahrhundert) Kirchturm aus dem Jahr 1579. Neubau der Kirche im 19. Jahrhundert (1841–1846).
Die Kirche spiegelt die kontinuierliche katholische Tradition wider, die auf die Herrschaft des Deutschen Ordens zurückgeht. Aktuelle Renovierung des Kirchturms wurde in den Jahren 2024/25 durchgeführt.
8. Die Dreifaltigkeitskapelle
Die Dreifaltigkeitskapelle Kirchhausen wurde 1716 von Johann Debatia, einem Einwohner in Kirchhausen, gestiftet. Sie wurde außerhalb des Ortes errichtet. Bis 1838 war sie am „Dreikönigsfest“ Ziel von Prozessionen und blieb später Wallfahrtsort.
Sie diente auch als Ort der Andacht für Reisende und für Prozessionen und ist ein Beispiel für barocke Frömmigkeit im ländlichen Raum.
9. Naturdenkmal Annalinde
Ein besonderes Naturdenkmal ist die Annalinde Kirchhausen. Solche Linden hatten in vielen Orten eine zentrale Bedeutung: Treffpunkt der Dorfgemeinschaft, Ort für Gerichtsversammlungen Symbol für Beständigkeit.
Auch die Annalinde steht sinnbildlich für die lange Geschichte und Tradition Kirchhausens. Aufgewertet wurde der Bereich in der Neuzeit mit einer Stankt Annakapelle (der Saga nach soll dort eine Kapelle gestanden sein) und einem Grillplatz zum Verweilen.
10. Entwicklung in der Neuzeit
Nach dem Ende der Ordensherrschaft entwickelte sich Kirchhausen zu einer eigenständigen Gemeinde im Königreich Württemberg.
Wichtige Entwicklungen waren:
Nutzung des Schlosses für kommunale Zwecke
Ausbau von Infrastruktur und Bildung sowie Eingemeindung nach Heilbronn im Jahr 1972.
Heute ist Kirchhausen ein moderner Stadtteil, der jedoch sein historisches Erbe bewahrt hat.
Die Geschichte Kirchhausens ist eng mit dem Deutschen Orden verbunden. Über mehrere
Jahrhunderte hinweg prägte dieser Orden das politische, wirtschaftliche und religiöse Leben des
Ortes.
Die wichtigsten historischen Bauwerke – insbesondere das Deutschordensschloss, das Amtmannhaus und die Zehntscheune – sind bis heute sichtbare Zeugnisse dieser Zeit. Ergänzt werden sie durch religiöse Bauwerke wie die St.-Alban-Kirche und die Dreifaltigkeitskapelle sowie durch Naturdenkmäler wie die Annalinde. Gemeinsam bilden sie ein historisches Ensemble, das die Entwicklung von Kirchhausen von einem mittelalterlichen Dorf zu einem modernen Stadtteil eindrucksvoll nachvollziehbar macht.
Oben: Blick in die damalige Biberacher Straße, heute Deutschritterstraße. Blickpunkt von der ehemaligen Volksbank Richtung Osten. Gebäude vorne rechts: Gaststätte Wirt Senghaas.
Oben: Ansicht der Schlossstraße auf die Sankt-Alban-Kirche (hinten, Mitte). Vorne links die ehemalige Gastwirtschaft „Kreuz“, später Schlossmetzgerei Schmidt. Das Gebäude wurde abgerissen und die Fläche wurde Teil des Kreisels.
Oben: heutige Poststraße, mit Blick von der ehemaligen Arztpraxis Glasauer nach Norden. Der Kehlenbach floss hier noch offen durch den Ort. Verschiedene Brücken führen darüber. Es gab Tränkstellen für die Tiere, bzw. eine Pferdeschwemme in der Poststraße.
Quelle: Interessenkreis Heimatgeschichte Heilbronn-Kirchhausen.